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Zusammenfassung der Vertikal-Degustation von Gwäss & Himbertscha von Etter Andreas

4. Vertikale von und mit Chosy Chanton
 
Chosy Chanton lud am 30.8.17 Geniesser und Gastronomen nach Visp ins Carnotzet, im ursprünglich erhaltenen Stadtkern ein, um eine in dieser Form noch nie dagewesene Vertikale der Rebsorten Gwäss (Gouais blanc) und Himbertscha zu präsentieren. Die ihm verbleibenden Flaschen der gereiften Jahrgänge, die bis in die Mitte der 80er-Jahre des letzten Jahrtausends zurückreichen, sind nicht nur rar, sondern nur noch in symbolischen Mengen von 3 – 6 Flaschen vorhanden, wie er verschiedentlich erwähnte. Vom Ampelographen und Mitautor des Referenzwerkes «The Wine Grapes» José Vouillamoz unterstützt, führte Chosy Chanton souverän durch den Abend, der vor sensorischen Höhepunkten und sinnlichen Erlebnissen nur so strotzte. Mit einer absoluten Überraschung und Rarität startete man in den verheissungsvollen Abend: Pataleban Vineyard Winery 2015 (Product of Nepal). Er brachte diese weisse Assemblage (je 45% Koshu, Chardonnay und 10% Yama) von seinem Entwicklungsprojekt in Nepal mit. «Dezente Aromatik, grünliche, blumige Noten, aber auch etwas muffige Anklänge in der Nase. Recht breiter Körper, später Säureauftritt, leichte Bitterkeit, kurz im Finale», wurde notiert. Der Abend war lanciert, das offizielle Programm konnte gestartet werden: Gwäss, die älteste unter ihrem Namen bekannte Rebsorte, war früher in Europa weitverbreitet und ein Elternteil von bekannten Sorten wie Riesling, Chardonnay, Gamay. «Insgesamt 82 Rebsorten in Europa stammen vom Gwäss ab», informierte José Vouillamoz und ergänzte: «mit Ausnahme einer Kleinstparzelle auf der französischen Seite des Genfersees und dem Oberwallis ist die Rebsorte von der Bildfläche verschwunden.» Besonders in Erinnerung geblieben ist der 1996er, der durch Ausgewogenheit, Delikatesse im Gaumen Aufmerksamkeit auf sich zog und im sehr langen Finale durch Frische und Struktur punktete. In den 80er-Jahren gefiel der 88er: verwobene, reife Nase, die an Sherry, kandierte Früchte, Honig, Golden Delicious denken liess. Fein, filigran, elegant präsentierte sich das Finale. Ein Sinneserlebnis erster Güte bot der Himbertscha 1986, zugleich der älteste Wein der zweiten Serie: reife, exotische Früchte, florale Noten, alles verwoben, verarbeitet und wunderbar gereift. Harmonie auch im ausgewogenen Gaumen und im Abgang, wo sich die gut eingebundene Säure für eine lange strukturelle Nachhaltigkeit manifestierte. Zum aktuellen Jahrgang 2014 konnte notiert werden: intensives Bouquet in der Nase, breitgefächerte Aromapalette: Frucht, grüne, vegetabile Nuancen, blumige Noten. Blind verkostet könnte es Gewürztraminer sein, bemerkte José Vouillamoz, was die These einer natürlichen Kreuzung von Humagne Blanche und einer Muscat-Traube erhärten würde. Gegen den Muscat als Kreuzungspartner sprechen seine empirischen Forschungsergebnisse. Er konnte zu keiner der noch im Anbau befindlichen Muscat-Sorten eine genetische Verwandschaft nachweisen.

Text: Etter Andreas, Jeroboam SA
www.jeroboam.ch/news.php?id=213




Aufgeschaltet am 11. September 2017
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