Kellerei Chanton, Kantonsstrasse 70, 3930 Visp
Telefon 027 946 21 53, Fax 027 946 21 47, weine@chanton.ch

Verkannte Schweizer

Frankfurter Allgemeine
Von Stuart Pigott

Manche Winzer werden von den Kritikern in ihren Heimatländern entweder ignoriert oder klein gehalten, weil sie sich nicht in das angesagte Raster fügen. So gibt sich etwa die Schweiz selbstbewusst und weltoffen, reduziert aber einheimische Winzer und Weine auf einige wenige Rollen. Die beste Chance haben sie als Franko- oder Italo-Schweizer, zumindest jedoch sollten sie sich eindeutig französisch oder italienisch inspiriert zeigen. Wenn sie sich diesen Erwartungen widersetzen und stattdessen durch und durch deutsch-schweizerisch auftreten, haben sie es meistens sehr schwer, die gebührende Anerkennung zu erlangen.

Genau das ist der Fall bei den trockenen Weissweinen von Josy Chanton in Visp im oberen Rhônetal, wo die Sprachgrenze ein amtliches Weinanbaugebiet wie eine felsige Bergschlucht in das französischsprachige Valais und das deutschsprachige Wallis zerteilt. Es sind äusserst originelle Weine, überwiegend aus urigen einheimischen Rebsorten. Die meisten Trauben, die Chanton verarbeitet, stammen aus Visperterminen, einer Terassenlage, die bis auf eine Höhe von 1125 Meter über dem Meeresspiegel steigt: Dies sind die höchstgelegenen Anbauflächen Europas. Trotzdem sind seine Weine keinen Deut nostalgisch, sondern verbinden eine durchaus moderne Vorstellung des Weissweins als strahlendes und edles Erfrischungsgetränk mit urigen Aromen und oft kerniger Säure.

Das trifft vor allem beim 2006er „Gwäss* zu (18 Flaschen ab Hof, Telefon 0041/27 946 21 53), der die typisch pikante Art und die zitronige Frische dieser Sorte aufweist, die in Deutschland und Österreich Heunisch heisst. Deutlich geschliffener und komplexer ist Chantons 2006er „Lafnetscha“ (18 Franken ab Hof), der nach exotisch frischer Papaya und Curryblättern duftet und zugleich elegant und ausdrucksstark schmeckt. Von dieser Walliser Ursorte gibt es übrigens nur noch zwei Hektar im gesamten Gebiet. Die regionale Spezialität „Heida“ bringt es immerhin auf fünfzig Hektar, und Chantons 2006er „Heida“ zeigt, warum diese uralte Spielart des Traminers wieder im Kommen ist. Es handelt sich um einen enorm würzigen und trotzdem subtilen Wein, der bei aller Kraft feinfruchtig und zart wirkt. Kurz gesagt: einer der besten trockenen Weissweine der Welt (22 Franken ab Hof). Die Genanalyse hat gezeigt, dass es sich beim „edlen“ Riesling um eine mittelalterliche Zufallskreuzung handelt mit Gwäss/Heunisch als einem Elternteil sowie dem Traminer als einem der Grossväter.

Deshalb passt es ins Bild, dass Chantons auch einen beeindruckenden trockenen Riesling erzeugt. Die Trauben stammen aus der Lage „Tschalibani“ in Varen, 25 Kilometer von Visp entfernt. Der trockene 2006er zeigt eine feine Mangonote, grosszügige Fülle und herrliche Bergfrische.

Würde Chantons Weinen mehr Aufmerksamkeit in eigenen Land geschenkt, wären sie längst in Deutschland erhältlich – aber auch viel teurer.


Aufgeschaltet am 10. Februar 2008
zurück