Kellerei Chanton, Kantonsstrasse 70, 3930 Visp
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Ungewöhnlich frühe Eisweinlese

Dank der kalten Witterung konnte bereits Mitte November der  Eiswein gelesen werden

V i s p. – Infolge der kalten Temperaturen konnte dieses Jahr bereits Mitte November das gefrorene Traubengut für den Eiswein gelesen werden. Dank des frühen Zeitpunkts der Lese kam es zudem praktisch zu keinem Gewichtsverlust. Seit 1999 produziert die  Kellerei Chanton aus Visp einen feinen Eiswein. Bei Eyholz ist dazu eigens ein rund Tausend Quadratmeter grosses mit der Traubensorte  Eyholzer Roter bepflanztes Rebstück reserviert. Fast kein Volumenverlust Normalerweise findet die Eisweinlese im Dezember oder gar noch später statt. «Letztes Jahr konnten wir erst am 27. Januar das Traubengut lesen, weil es vorher schlichtweg nicht kalt genug war», berichtet Josef-Marie Chanton. Denn klirrende Kälte ist die Grundvoraussetzung für die Produktion eines klassischen  Eisweines. Wie es der Name bereits sagt, braucht es mindestens drei Tage und Nächte mit knackig kalten Temperaturen von minus sieben Grad. «Wenn es minus zehn Grad kalt ist, kann bereits nach zwei Tagen gelesen werden», so Mario Chanton.

Am Samstagmorgen, dem 17. November, waren die Bedingungen für die Lese bereits erfüllt. Vater Josef-Marie und Sohn Mario rückten mit einigen Helfern dem Rebberg zuleibe. «So früh konnten wir unseren Eiswein noch nie lesen. Der bisher früheste Zeitpunkt war einmal
Ende November», weiss Mario Chanton. Dank des frühen Zeitpunkts verloren die Trauben denn auch noch fast kein Volumen und sahen deshalb aus wie gefrorene blaue kleine Kugeln und nicht wie
sonst üblich wie runzlige Rosinen. Mit wilder Hefe vergären Nach einigen Stunden bei eisigen Temperaturen – am Samstagmorgen registrierte man in Eyholz minus elf Grad – war das Traubengut
geerntet und die Finger steif und klamm. Flugs ging es mit den Trauben in die Kellerei, wo diese während rund zehn Stunden in der Presse blieben, bis auch das letzte Tröpfchen ausgequetscht war.
Herausgepresst wurde eine extrem zuckrige Lösung; das Wasser der Trauben blieb in gefrorenem Zustand in der Presse. Nun wird der Eiswein während rund sechs bis sieben Monaten in einem Fass gären. «Weil wir mit Wildhefe vergären und wegen des extrem hohen Zuckergehalts können die Hefebakterien gar nicht schneller den Zucker in Alkohol umwandeln», teilt Mario Chanton mit.

Ein exquisites Naturprodukt Apropos Zuckergehalt – dieser liegt bei einem Eiswein zwischen 170 und 200 Öchsle. Das Traubengut der Chantons wies satte 195 Öchsle auf. Nach der Vergärung in einem Barrique- Fass wird der Eiswein in 3/8-Literflaschen abgefüllt. Das Tausend Quadratmeter grosse Rebstück liefert in etwa Tausend Kilo Traubengut. Normalerweise gäbe dies rund siebenhundert Liter Wein. Weil aber die meiste Flüssigkeit gefroren in der Presse
zurückbleibt, reduziert sich die Masse beim Eiswein auf rund 250 Liter. Weshalb sich auch der relativ hohe Preis erklären lässt. Für eine 3/8-Literflasche berappt der Kunde 50 Franken. Dafür erhält er aber auch ein ausgesprochen exquisites und qualitativ hochstehendes Naturprodukt. Eisweine werden meist als Dessertweine verwendet. Als grandiose Begleiter festlicher Anlässe verspricht der Eiswein das grosse Finale eines glanzvollen Essens.
Ob zu fruchtigen Desserts oder Sorbets – der Eiswein hält es gemäss dem Motto «gleich und gleich gesellt sich gern». Besonders harmonisch verhält sich ein Eiswein zu einem reifen Edelschimmelkäse. Auf der einen Seite die salzigen bis leicht bitteren Noten eines cremigen Käses, auf der anderen Seite die fruchtigen süssen Aromen des konzentrierten Weines – beide addieren sich zu einem aussergewöhnlichen Geschmackserlebnis.

wek

Walliser Bote


Aufgeschaltet am 19. November 2007
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