Kellerei Chanton, Kantonsstrasse 70, 3930 Visp
Telefon 027 946 21 53, Fax 027 946 21 47, weine@chanton.ch

Ein Leben für Wein, Tanz und Kunst

Die ehemalige Weinfelderin Marlis Chanton vertritt den Kanton Wallis an der Schlaraffia Kreativität ist eine der Leidenschaften, die sich wie ein roter Faden durch das Leben der ehemaligen Weinfelderin Marlis Chanton-Bichsel zieht. Sie lebt heute zusammen mit ihrer Familie in Raron und pflegt in Visp mit ihrem Mann Josef-Marie eine Kellerei der Spitzenweine. Spezialität des Hauses Chanton sind weltweit einzigartige Rebsorten, die nur im Wallis gekeltert werden. Ein Gespräch mit Marlis Chanton ist deshalb so spannend, weil immer wieder neue Leidenschaften auftauchen. Sie und ihr Mann werden zusammen mit sechs anderen Walliser Winzerinnen und Winzern an der Schlaraffia im März in Weinfelden zu Gast sein.

Hört man Marlis Chantons Stimme zum ersten Mal am Telefon, taucht unweigerlich die Frage auf, ob sie denn wirklich eine Weinfelderin sei. Der Walliser Dialekt tönt, zumindest für einen Laien, perfekt. Beim persönlichen Kontakt in Weinfelden dann merkt man bald, dass auch der Thurgauer Dialekt noch heimisch ist. Und damit macht ihr Vis-à-vis gleich mit einer weiteren Leidenschaft von Marlis Chanton Bekanntschaft: Sprachen. Vor Jahren setzte sie sich das Ziel, genau innerhalb eines Jahres das Walliser Deutsch zu lernen. Nur dann und wann, wenn's beim Erzählen etwas hektisch wird, weicht sie auf sympathische Weise in den wohlklingenden Walliser Dialekt ab.

Magdenau und Chorschule

Die schönsten Erinnerungen an Weinfelden verbindet Marlis Chanton mit der Magdenau. Dort genoss sie ihre Jungendjahre, spielte sie mit den Nachbarskindern. "Es lief immer etwas", erzählt sie heute noch ganz begeistert. Der Wechsel in den Süden des Dorfes wollte ihr dann nicht gefallen, weg vom eigentlichen Kern, weg von den Freunden. Heute meint sie, dass ihr wohl auch die Ambiance der Magdenau gefehlt habe. Sie fand sich nicht mehr zurecht, der Entscheid, nach der Schule sofort wegzugehen, stand fest. Das war im Jahre 1965. Damals entstanden die ersten Kontakte zum Wallis: Marlis Chanton wollte Französisch lernen. Den Ort dafür, eine Klosterschule, wählte sie selbst, ganz zum Erstaunen der Eltern. Tolle Weinfelder Erinnerungen verbindet Marlis Chanton übrigens auch mit der Chorschule von Erich Büsser, bei diesem kreativen Tun habe sie sich so richtig wohl gefühlt.

Eine Tanzschule zwischendurch

Beruflich folgte nach dem ersten Wallis-Abstecher die Ausbildung zur Fotografin in St. Gallen, dann ein England-Aufenthalt, um auch in dieser Sprache sattelfest zu sein. Während Walliser Ferien mit den Eltern hatte Marlis Chanton ihren Mann Josef-Marie kennengelernt. Als sie ihm zum ersten Mal Weinfelden vorstellte, so erzählt sie heute lachend, war sie wieder ganz stolz auf dieses schöne Dorf mit seinem eigenen Charme. Einmal im Wallis zu Hause, arbeitete sie im Bereich Werbe- und Industriefotografie. Hotel- und Tourismusprospekte forderten einmal mehr ihre Kreativität heraus. Damit aber nicht genug, während 15 Jahren hatte die initiative Frau eine eigene Schule für Jazz- und Kreativ-Tanz. Auch der Familie gehört viel Zeit. Die beiden Söhne, der jüngere arbeitet heute mit entsprechender Ausbildung als dritte Generation Chanton bereits im Betrieb mit, forderten sie ebenfalls.

Die Gestalterin

Immer mehr zog es Marlis Chanton auch zu den Weinen. Denn die Leidenschaft ihres Mannes, alte Walliser Rebsorten wie Resi, Gwäss, Himbertscha, Lafnetscha und Heida zu pflegen, gewann auch für sie an Bedeutung. Ihre Kreativität bringt Marlis Chanton bei der Gestaltung der Wein-Galerie oder anderer Kellereiräume ins Spiel. Auch zeichnet sie sich für inspirierende und schön gestaltete Prospekte sowie für den ganzen PR-Bereich verantwortlich. Im Sachen Wein pflegen die Chantons auch Kontakte zu Weinfelden. Josef Marie Chanton, auch bekannt als "Archäologe alter Walliser Rebsorten" besuchte zusammen mit Hans Ulrich Kesselring die Ingenieurschule. Immer wieder fanden und finden beiden Familien Zeit für gemeinsame Gespräche und Wissensaustausch.

Die Köchin und Gastgeberin

Passend zum Wein beginnen Marlis Chantons Augen unternehmungslustig zu leuchten, wenn man sie auf Küche und Kochen anspricht. Sofort ist klar, und es passt auch zu ihrer Persönlichkeit: Kochen ist eine weitere Leidenschaft. Dies geschieht aber nie nach vorgegebenen Rezepten. Sie lässt sich vielmehr auf dem Markt oder in Geschäften inspirieren. Manchmal wachsen dort die Ideen, manchmal kauft sie ein, ohne noch genau zu wissen, was aus den feinen Sachen entstehen soll. Erst in der eigenen Küche dann werden die kulinarischen Kreationen geboren, passt dieses zu jenem, wird Neues ausprobiert.

Thurgauer Zeitung - 06.02.2001


Aufgeschaltet am 6. Februar 2001
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