Kellerei Chanton, Kantonsstrasse 70, 3930 Visp
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Weinlese bei klirrender Kälte

Kellerei Chanton in Visp/Eyholz versucht etwas Neues

Eyholz. - Ein ungewöhnliches Bild: Vier Leute, welche gut "verpackt", knöcheltief im Schnee Trauben von den Reben abschneiden. Morgens um 9.00 Uhr bei etwa minus zehn Grad Temperatur. Die Kellerei Chanton in Visp/Eyholz probiert etwas Gewagtes und produziert einen Eiswein.

Fast jede Kellerei kennt und interessiert sich für das Thema Eiswein. Aber nicht alle haben den Mut, es auszuprobieren. Die Kellerei Chanton in Visp/Eyholz liess sich auf das Experiment ein "Wir wollten etwas Neues ausprobieren", erklärte Mario Chanton, der sich - wie sein Vater und Grossvater - für die Weinherstellung begeistert. Und sie sind damit, laut eigenen Angaben, wohl die Ersten im Wallis. Mit warmen Jacken, Handschuhen, Mützen und Stiefeln ausgerüstet, sind vier Leute mit Engagement beschäftigt, die roten Trauben in einer Parzelle in Eyholz abzutrennen. "Es ist wichtig, dass man die Trauben bei mindestens zehn Minusgraden erntet". Erklärte er. In flacheren Gegenden müssen sich die Weinbauern gar um 5.00 Uhr an die Arbeit machen; andernfalls wären die Trauben für die spezielle Herstellung des Eisweines nicht zu gebrauchen.

Hochkonzentrierter Wein

Durch die Kälte bilden sich in den Trauben Eiskeime, welche das vorhandene Wasser gefrieren lassen. Dadurch wird der übrige Saft konzentriert und mit Zucker und weiteren Inhaltsstoffen angereichert. Falls die Temperatur zu hoch sein sollte, würden sich kaum Eiskristalle bilden. Und das Ziel des Eisweines ist es, eine hochkonzentrierten Wein mit mindestens 120 Grad Öchsle zu erhalten. "Charakteristisch am Eiswein ist der süsse Geschmack", erläutert Mario Chanton.

Besonderes Vorgehen

Das frühmorgendliche Lesen bei tiefen Temperaturen ist das eine; aber um einen guten Eiswein herzustellen sind weitere Punkte zu beachten: "Nach der Lese muss der ganze Vorgang recht schnell geschehen, damit die Trauben nicht auftauen", bemerkte der junge Winzer. So sollten die hart gefrorene Traubenbeeren vor dem Pressen gemahlen werden. Und danach heisst es, die Ernte in die vorher abgekühlten Presse zu geben. Den ablaufenden Saft müsse man auch immer wieder auf die Öchslegrade kontrollieren. "Das Pressen dauert an die drei Stunden; dreimal so lang wie bei der üblichen Weinherstellung", meinte Mario Chanton. Eine lange Prozedur. Und der Ertrag ist am Ende für den grossen Aufwand recht klein: aus 2000 Kilo Trauben füllt man schätzungsweise 130 Liter Eiswein ab; 1500 Liter wären es mit der konventionellen Methode. "Wir haben noch keine Erfahrung. Dies ist der erste Versuch. Später werden wir sehen, wie sich der Erfolg einstellt." Insgesamt ein recht risikoreiches Unterfangen. Aber wer nichts wagt, gewinnt auch nichts…

Walliser Bote
ac



Aufgeschaltet am 20. Dezember 1999
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